Goethe: "Ich will !" / das Wort ist mächtig / spricht´s einer ernst und still / die Sterne reißt´s vom Himmel / das eine Wort: "Ich will!"

Der Begriff Volition stammt aus dem Englischen und bezeichnet den Gebrauch des Willens für Entscheidungen. Im Hinblick auf das Management, beschreibt es den Prozess der Willensbildung (Zielsetzung und Planung) und der Willensdurchsetzung (Organisation und Kontrolle). Die Willenskraft, die erforderlich ist um widersprüchlichen Motiven, Zielkonflikten oder negativen Gefühlen zu widerstehen, kennen Führungskräften als Volition. Somit übersteigt der Begriff die reguläre Motivation und wer diese Kompetenz besitzt, erreicht eine höhere Effizienz in seiner Führungsqualität. Konkret gesagt, ist es ist die Fähigkeit, Motive und Absichten in Ergebnisse umzusetzen. Insbesondere Manager und selbstständige Unternehmer sind auf diese Fertigkeit angewiesen, da sie bei Rückschlägen aus eigenem Antrieb die Kraft aufbringen müssen, weiterhin aktiv zu bleiben. Folglich gilt die volitionale Steuerung von Handlungen als künftige Schlüsselqualifikation, da sie für den Erfolg einer Handlung oder Entscheidung essentiell ist.

Merkmale schwach ausgeprägter Volition sind mangelnder Antrieb und inkonsequente Zielverfolgung. Die daraus resultierende Entschlussunfähigkeit kann sich schon bei einfachen Entscheidungen zeigen. Ursprünglich gefasste Ziele werden nicht verfolgt oder der Weg dorthin unterbrochen. Forscher führen viele Probleme unserer Zeit auf mangelnde Selbststeuerung zurück, vom übermäßigen Alkoholkonsum und Übergewicht, bis hin zur Drogensucht und Gewalt. Untersuchungen ergaben, dass nur 10% aller Führungskräfte ihre Aufgaben mit voller Energie und Ausrichtung auf das Wesentliche erledigen. Dabei sind manche hyperaktiv aber ohne Erfolg; andere distanziert und zögerlich. Motivation allein reicht heutzutage nicht mehr um sich den wachsenden Anforderungen zu stellen – ehrgeizige Ziele, Unsicherheiten und extreme Widerstände erfordern starke Willenskraft.

Welche Kompetenzen sind erforderlich?

Aufmerksamkeitskontrolle

Trotz teils widriger Rahmenbedingungen und Risiken, entwickeln sich diese Menschen aus sich selbst heraus. Sie setzten sich klare Ziele, die sie anschließend konsequent verfolgen. Man sagt auch, sie seien intrinsisch motiviert. Doch diese Motivation reicht nicht aus. Vielmehr müssen sie sich auf das Ziel fokussieren, müssen dabei Wesentliches von Unwesentlichem unterscheiden können und willensfest wissen, was sie wollen.

Emotionskontrolle

Sie können ihre eigenen Gefühle und Stimmungen so beeinflussen, dass sie mehr mentale Energie aufnehmen als verbrauchen. Ihre Gedanken- und Gefühlswelt kreist vor allem um die zuvor festgelegte Fokussierung auf das Wesentliche der Zukunft – sie grübeln nicht über zwischenmenschliche Konflikte oder emotional belastende Situationen. Mit anderen Worten: sie gestalten gezielt ihre eigenen und die auf sie einwirkenden Gefühle.

Aktivitätskontrolle

Es beschreibt die Fähigkeit oder Bereitschaft vorausschauend zu planen und Probleme zu lösen. Viele Menschen leiden unter zahlreichen, meist emotionalen Problemen, ohne diese zu lösen. Sie meinen, diese Konflikte wären ihnen von Anderen oder von Außen auferlegt worden und handeln erst, wenn es nicht mehr anders geht. Das Lösen von Problemen wird ständig vertagt, bis diese ein Ausmaß annehmen, dass nicht mehr überschaubar scheint. Anders ist es bei erfolgreichen Menschen: Sie antizipieren mögliche Probleme und bereiten sich darauf vor; sie investieren also in die Zukunft und verbessern ihre Problemlösungsfähigkeiten.

Umgang mit sich selbst

Dabei ist die Fähigkeit gemeint, das eigene Selbstvertrauen zu stärken und Ziele und Problemlösungen durchzusetzen. Viele glauben, Selbstvertrauen sei eine mehr oder weniger angeborene oder in der Kindheit und Jugend anerzogene, unabänderliche Charaktereigenschaft. Neuere Forschungsergebnisse zeigen aber, dass Selbstvertrauen erlernenbar ist, wenn dabei systematisch die drei physiologisch nachgewiesenen Grundbedürfnisse befriedigt werden: Der Wunsch nach Zugehörigkeit, Anerkennung und Kontrolle. Das Lernen funktioniert nicht von heute auf morgen, doch mit konsequentem, systematischen Training werden sich auch die Resultate einstellen.

Zielbezogene Selbstdisziplin

Erfolgreiche Menschen erkennen den tieferen Sinn in dem, was sie tun. Und weil sie aus Überzeugung arbeiten, benötigen sie keinen Druck von Außen und können sich besser auf das Wesentliche konzentrieren. Zusätzlich bekommen sie Unterstützung von Anderen, für die sie etwas Sinnvolles tun.

Umweltkontrolle

Der Begriff bezeichnet ein bewusstes, zielförderndes Gestalten der Arbeitsumgebung und des Arbeitsplatzes. Damit ist ein konzentriertes Vorbereiten aller Arbeitsmaterialien gemeint. Alle Ablenkungen wie Süßigkeiten, Zeitschriften, Telefons/Handy u.s.w. sollten entfernt werden. So wird nach Außen hin kommuniziert, dass Störungen unerwünscht sind.

Mit Ausnahme des rein intrinsisch motivierten Flows, sind volitionale Prozesse im Alltag unumgänglich. Wir benötigen motivationale und volitionale Kompetenzen: Während die motivationale Zielgebung eher anstrengungslos verläuft, verbrauchen volitionale Prozesse psychische Energie und Konzentration. Das Wollen können wir als einen Muskel sehen, der erschlafft und nicht pausenlos beansprucht werden kann. Doch ebenso wie ein Muskel, kann auch das Wollen trainiert werden.

Wie die Volitionsforschung gezeigt hat, kann die Erschöpfung oder Ausbeutung der Willensressourcen aber nur verhindert werden, wenn man die gesamte Willensskala (sprich, den Umgang mit sich selbst, zielbezogene Selbstdisziplin und Umweltkontrolle) beherrscht – und nicht nur einzelne Teilfähigkeiten. Im Grunde geht es um die kontrollierte, handlungsfördernde und zielorientierte Integration von Emotionen, Kognitionen und Motivation.