In Deutschland entstehen nach einer aktuellen Studie der Betriebskrankenkassen durch arbeitsbedingte psychische Belastungen volkswirtschaftliche Kosten in Höhe von 6,3 Mrd. Euro. Dabei entfallen etwa 3 Mrd. Euro auf die Krankheitsbehandlung und 3,3 Mrd. Euro auf den Produktionsausfall. Der Grund: Das "erschöpfte Selbst", der Verlust an Sicherheit und Orientierung. Menschen fühlen sich überfordert, viele zerbrechen an dem Anspruch zwischen Sein und Schein.

Eine Lösungsmöglichkeit ist der Aufbau mentaler Stärke, um den Anforderungen der modernen Welt gewachsen zu sein. Denn ein Nachlassen der Anforderungen ist nicht in Sicht, eher eine Verschärfung.

Was genau ist „Mentale Stärke“?

Mentale Stärke ist die Fähigkeit, sich unabhängig von den äußeren Bedingungen wohl zu fühlen und sich an seiner oberen Leistungsgrenze zu bewegen. So sind Stress, Angst, Sorgen oder Ärger keine Bremsen bei der Entwicklung der persönlichen und beruflichen Zufriedenheit mehr.

Denn mental starke Menschen meistern leichter schwierige Situationen, treffen bessere Entscheidungen und verfügen über mehr Zielorientierung, emotionale Flexibilität, Stärke und Engagement.

Die mentale Stärke eines Menschen ist einer der stärksten Einflussfaktoren der Lebenszufriedenheit. Ist die mentale Stärke hoch, ist die Lebenszufriedenheit hoch. Ist sie niedrig, ist es auch die Lebenszufriedenheit. Dieser Artikel beschreibt diesen Zusammenhang.

Denn: Menschen benötigen mehr als nur fachliche Kompetenz, um erfolgreich zu sein.

Was machen mental starke Menschen anders? Die vier Gründe für die höhere Lebenszufriedenheit

 

Mental starke Menschen haben eine höhere Lebenszufriedenheit und mehr Erfolg. Das ist eine gewagte These – wie lässt sie sich begründen? Im Folgenden werden die vier wichtigsten Einflussgrößen beschrieben und abschließend an einem Beispiel dargestellt.

1. Das bewusste Fokussieren:

Mental starke Menschen haben die unbewusste oder angelernte Fähigkeit, sich selbst fokussieren zu können. Jede Sekunde treffen Menschen zwei Entscheidungen, ob bewusst oder unbewusst:

Die erste Entscheidung betrifft den Ausschnitt der Wahrnehmung, welcher in das Bewusstsein dringt. Praktisch gesprochen, lautet die Frage: Worauf fokussiere ich mich gerade?

Ein Beispiel verdeutlicht die Bedeutung dieser so einfachen wie wirkungsvollen Frage: Wenn Ihr Chef Ihnen Vorwürfe macht, können Sie sich auf seinen unprofessionellen Tonfall fokussieren oder Sie fokussieren sich auf den genauen Grund für seinen Vorwurf. Die jeweilige Fokussierung hat direkte Auswirkung auf Ihre Gemütslage und damit auf Ihr Gesprächsverhalten.

Die zweite Entscheidung stellt die persönliche Bewertung dieser Wahrnehmung dar. Hier lautet die Frage: Welche Bedeutung hat eine Wahrnehmung für mich, eine negative oder eine positive? Aus dieser Bewertung resultieren Freude oder Schmerz, denn hier kommen die Gefühle her. Der menschliche Verstand bewertet ständig all seine Wahrnehmung und durch diese Bewertung entstehen negative und positive Gefühle. So geben Menschen ihrer Wahrnehmung eine Bedeutung. Mental starke Menschen wissen, dass sie ihr Wohlbefinden durch ihre Fokussierung bestimmen. Wenn sie sich unwohl fühlen, halten sie inne und finden heraus, welche Fokussierung sie schlecht fühlen lässt. So erkennen sie den Ausschnitt, den sie wahrnehmen und können diesen entweder bewusst mit der Frage „Was kann ich jetzt noch wahrnehmen?“ ändern oder durch Handlung das ändern, was sie stört. Eins von beiden tun sie immer.

Wie diese Bewertungen bei jedem Menschen im Alltag wirken und wie sie die eigene Stimmung beeinflussen, wird an einem weiteren Beispiel deutlich.

Sie arbeiten in einem Büro und draußen scheint zum ersten Mal seit Wochen die Sonne. Nun haben Sie grundsätzlich zwei unterschiedliche Möglichkeiten, Ihre Wahrnehmung der Sonne zu bewerten, und zwar negativ oder positiv. Sie könnten jetzt denken „Das ist ja typisch! Die Sonne scheint und ich muss arbeiten!“ Doch das ist nur eine erste Bewertung, eine eher automatische, spontane, unbewusste. Natürlich führt diese unmittelbar zu einer schlechten Stimmung. Sie können auch denken: „Oh wie schön, die Sonne ist endlich wieder da. Ich mache gleich eine kleine Pause und gehe raus, um die Wärme und das Licht zu genießen. “ Diese zweite Bewertung lässt Sie natürlich besser fühlen. Sie kommen auf diese, indem Sie Ihre eigene schlechte Stimmung als Anlass nehmen, sich folgende Frage zu stellen: „Wie kann ich diese Situation jetzt noch bewerten?“

Diese Fähigkeit ist zu trainieren, indem der eigene Gemütszustand bewusst wahrgenommen wird und schlechte Stimmungen als eine Art Signal genutzt werden, um sich selbst neu zu fokussieren und darüber hinaus eine neue Bewertung der Situation zu finden.

2. Die grundsätzliche Gelassenheit:

Weil solche Menschen präsenter, gelassener und konzentrierter sind, wenn es drauf ankommt. Sie sind vor und während wichtiger Aufgaben gelassener und erreichen so mehr. Situationen, die sie früher gemieden haben oder in denen sie gestresst waren, sind nun willkommene Herausforderungen. Rückschläge im Leben begreifen sie als etwas normales und versuchen einfach einen neuen Weg zu gehen und finden so eine andere Lösung. Wenn sie einmal nichts ändern können, dann akzeptieren sie das und versuchen nicht, etwas unmögliches möglich zu machen.

Diese grundsätzliche Gelassenheit ist durch einfaches, tägliches Üben zu trainieren. Es reicht aus, sich am Tag zweimal fünf Minuten mit der Frage „Wie atme ich gerade?“ auf seine eigene Atmung zu konzentrieren und so tiefe Gelassenheit zu erleben.

3. Die Offenheit für Stress:

Menschen mit ausgeprägter mentaler Stärke haben erkannt, dass Stress nichts Negatives ist und dass er nicht durch Arbeit, durch andere Menschen oder verspätete Züge verursacht wird. Sie haben verstanden, dass Stress zu 99% Kopfsache ist. Sie wissen also, dass sie selbst die Ursache für ihren Stress sind. Damit betrachten sie sich selbst mehr als aktiv handelnde Person und weniger als passives Opfer.

Mental starke Menschen haben intensiv über eine einfache Frage nachgedacht: „Wie kann ich gestresst sein, wenn ich offen bin für meinen Stress?“ Darüber hinaus wissen sie, dass Stress genauso normal wie Regen oder Sonnenschein ist. Sie betrachten ihn daher nicht als etwas negatives oder als etwas, was besser nicht da sein sollte. Außerdem betrachten sie Stress als Geschenk, weil sie erfahren haben, dass ihr Stress einen Zugang zu innerem Frieden und Entspannung ist.

4. Die Differenzierung zwischen der Realität und Gedanken:

Mental starke Menschen haben erkannt, dass ihr Stress im eigenen Verstand entsteht und nur sehr selten unmittelbar mit den äußeren Bedingungen zu tun hat. Umweltkatastrophen, Hunger oder Durst sind in unserer Welt selten Stressoren. Es sind zu 99,9% die Gedanken über die Realität, welche Stress auslösen. Wenn ein Mensch wegen eines verspäteten Zuges gestresst ist, kann der Zug an sich ihn nicht stressen, denn dieser ist ja nicht da. Es sind also die Gedanken über die möglichen Folgen der Verspätung, die einen Menschen stressen. Wenn ein Mensch vor den Folgen einer Entscheidung Angst hat und deswegen von „Aufschieberitis“ gebremst wird, sind es nicht die möglichen Folgen die ihn stressen, sondern seine Phantasien über diese. Denn ob die Folgen eintreffen, ist noch nicht bekannt. Auch hier sind es die Gedanken, die den Stress auslösen. In solchen Situationen geht es zunächst darum, einen „klaren Kopf“ zu haben. Dafür gilt es, den Verstand zu beruhigen. Mental starke Menschen haben das geübt und wenden diese Fähigkeit in alltäglichen Situationen an.

Ein Fallbeispiel:

Deutlich werden die Unterschiede zwischen mental mehr oder weniger starken Menschen – und die daraus resultierende höhere Lebenszufriedenheit - an einem Beispiel aus dem Alltag.

Zwei Personen stehen vor einem Gespräch mit dem Vorgesetzen. In diesem Gespräch wird es darum gehen, wie einige zusätzliche und unbeliebte Aufgaben neu verteilt werden.

Person A, die mental weniger starke Person, wird mit Gedanken wie diesen in das Gespräch gehen:

  • Ich kann mich gegen die Macht des Vorgesetzten sowieso nicht wehren.

  • Mir hört ja eh niemand zu.

  • Die anderen sind mir rhetorisch überlegen.

  • Meine Interessen spielen hier doch eh keine Rolle.

Natürlich wird Person A im Sinne der bekannten „selbsterfüllenden Prophezeiung“ genau das erhalten, was sie mit ihren eigenen Gedanken gesät hat. Denn die Körpersprache heißt Körpersprache, weil der Körper für den Geist, also die oben genannten Gedanken, spricht. Die Geschäftsführung hat hier leichtes Spiel und wird sich durchsetzen. Obwohl vielleicht eine Mischung unterschiedlicher Meinungen und Sichtweisen eine bessere Lösungen als Folge hätten.

Ganz anders sieht die Situation bei derselben Ausgangslage bei Person B aus, einer mental starken Person. Diese wird im Gespräch dank der folgenden Gedanken viel mehr erreichen:

  • Der Vorgesetze hat zwar mehr Macht als ich, doch ich weiß, was jeden Tag in der Praxis in meinem Bereich passiert. So kann ich argumentieren.

  • Wenn ich mich gut vorbereite und adressatenorientiert, langsam, deutlich und laut spreche, wird mir zugehört.

  • Die anderen sind mir zwar rhetorisch überlegen, ich jedoch kann sie mit meinem Wissen aus der täglichen Praxis immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

  • Natürlich hat der Vorgesetze auch eigene Interessen. Jedoch weiß er auch, dass er auf zufriedene, motivierte und respektierte Mitarbeiter angewiesen ist. Außerdem haben wir ein gemeinsames Interesse: die beste Lösung für die Verteilung der zusätzlichen Arbeit.

Die Folgen dieser unterschiedlichen Denkweise liegen auf der Hand: die Chancen auf ein erfolgreiches Erreichen der eigenen Ziele sind dank der mentalen Stärke um ein vielfaches größer. Und daher beeinflusst mentale Stärke die persönliche Lebenszufriedenheit.